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"Blinker"
Europas
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Angelzeitung

 

Klatschend brechen sich die Wellen am Bug. Immer winziger wirkt das Festland, immer weiter stampft das Motorboot hinaus in die Ostsee. Die schwedische Flagge schüttelt sich im Fahrtwind, salzige Luft weht uns um die Nase. Ein weißer Klecks in der Ferne, das ist unser Auto am Ufer.
Für die nächste Woche lassen wir Auto und Festland zurück; für die nächste Woche sind wir zu Gast auf einer einsamen, zwei Quadratkilometer großen Insel.
Ich denke an Robinson Crusoe, den schiffbrüchigen Romanhelden. Wie hab ich ihn schon als Kind um das Wasser beneidet, das seine Insel umschloss, ein Wasser voll mit Fischen. An seiner Stelle hätte ich Tag und Nacht geangelt.
Heute wird mein Traum von der Insel wahr. Heute steuern wir Risö an, ein Fleckchen Land im schwedischen Schärengarten. So heißt der Küstenabschnitt zwischen Stockholm und Oskarsham im Süden des Landes, voll mit winzigen Inseln und Felsenrücken. So manche Bucht erinnert an einen Fjord in Norwegen, so mancher Hecht an einen dicken Sumo-Ringer. Im leicht salzigen Wasser mästen sich die Räuber vor allem an Heringen.

 

Insel der Fische
Diesmal würde Robinson mich beneiden. Denn ich muss kein Häuschen bauen, es steht schon. Ich muss nicht auf die Jagd gehen, Essen haben wir dabei. Und vor den Eingeborenen fürchten muss ich mich auch nicht; hier lebt nur eine Familie, angeführt von Olle, dem Fischer, und seiner Frau Sissi, der Malerin. Beide helfen uns mit Rat und Tat. Was will der Angler mehr?
Fische natürlich! Mein Freund Kay brennt schon. "Lass uns rausfahren", quengelt er, noch bevor das Gepäck verstaut ist. Ich schaue ihn an. In seinem Blick steht nur ein Wort: HECHT! Begleitet von Peter (Pit`s Angelreisen) und Lothar, zwei Bayern, mit denen wir uns die Hütte teilen, machen wir uns auf den Weg. Knattern durch Buchten, schlängeln uns um Felsen, steuern das Motorboot schließlich an einen Landvorsprung. Flaches und tiefes Wasser treffen sich hier, ein Platz, den die Hechte Ende April lieben, kurz bevor sich das Wasser aufwärmt.
Köder zischen durch die Luft, klatschen ins Wasser. Ich schiele zu Lothar und Peter; die beiden kennen das Revier, waren schon oft hier. Aha, Gummifisch! Also taste auch ich nach einem Shad, allerdings nach einem Eigenbau mit Spinnblatt, Mr. Fledder genannt. Kay versucht sein Glück mit einem Mepps.

 

Fluch und Fisch
Ich werfe in Richtung Ufer, hole ein. Werfe hole ein. Werfe. Da! Ein Ruck fährt erst durch die Rute, dann bis ins Knochenmark. Meine ganze Konzentration entlädt sich - in einem Anhieb, der ins Leere geht, und in einem Fluch, der Kays rechtes Trommelfell trifft.
Kay schaltet schnell. Er wirft seinen Spinner auf den Platz wo ich meinen Biss hatte. Zwei, drei Umdrehungen - "hab ihn", jubelt er dann. Seine Rutenspitze nickt wild, als wollte sie ihm zustimmen.
An der Oberfläche klatscht und brodelt es, die beiden Bayern schauen gebannt zu uns. Ich mache den Kescher klar. Und wundere mich über diesen Hecht. Warum sucht er nicht die Tiefe? Warum schlägt er nur das Wasser zu Schaum? Fast wie eine Forelle!
Forelle? Beim nächsten Sprung erkennen wir: Es ist eine Meerforelle! Auch sie und der Lachs treiben sich zwischen den Inseln rum. Kay gibt den Fisch keine Schnur, nur die Kante. Das Kräftemessen zwischen dem gelernten Fleischer, 200 Pfund, und dem getupften Fisch, 4 Pfund, ist bald entschieden. Ein silberner Torpedo glänzt durch die Maschen des Keschers.
Und das beim vierten oder fünften Wurf! Peter und Lothar staunen, halten uns Nordlichter für Meerforellen-Profis. "Woher wusstet ihr, dass hier eine steht?" Gute Frage.... Wir tuckern weiter in die Bucht, fischen 30 Meter vor einem Schilfgürtel. Bei Lothar klatscht es vorm Boot. Der erste Hecht. Bei Lothar klatscht es wieder. Der zweite Hecht. Und noch ein Hecht stürzt sich auf seinen Gummifisch. Alles Fische um die fünf Pfund.
Bisse haben wir auch, Kay, Peter und ich. Doch der Anhieb will und will nicht sitzen. Am Ende hat Lothar um die zehn Hechte gefangen, mehr als wir drei zusammen. Was macht er bloß besser?
Vier Weißbier und (fast) vierzig Nachfragen später abends in der Hütte, dann packt Lothar aus: "Wisst ihr, ich hau nicht gleich an beim Biss. Ich geb´Schnur, für zwei oder drei Sekunden. Wie beim Köderfisch am System. Dann dreht der Hecht den Gummifisch richtig ins Maul. Und der Anhieb sitzt. Probiert´s!"

 

Karte zum Hecht
Am nächsten Tag pfeift höllischer Wind. Wir wollen heute einen Naturhafen beangeln, am anderen Ende von Risö. Kay lotst das Boot durch die Wellen, in meinen Händen flattert die Seekarte. Zwar ist der Weg einfach zu finden - doch knapp unter Wasser lauern Felsspitzen, vor denen nur die Karte warnt. Ich dirigiere Kay um die Brocken.
Das Boot zwängt sich zwischen Felsen hindurch. Vor uns öffnet sich eine märchenhafte Bucht. Das Wasser ist drei bis vier Meter tief. Je weiter wir in die Bucht treiben, desto flacher wird es.
Lothars Nachhilfe trägt Früchte. Bei einer Drift bekommen wir fünf Bisse - und verwandeln drei zu Hechten, bis sieben Pfund schwer. Die Fische sind nicht nur prächtig gemustert, sondern auch stark im Drill. Sogar bei Kay höre ich die Bremse kurz jaulen, bevor er den nächsten keschert.

 

Der Schrei
Den Anfang mit den Hechten von über 10 Pfund macht - wer sonst? - der Bayer Lothar. Er angelt eine Bucht weiter. Auf einmal dringt ein wilder Schrei zu uns. ""Ein Tier?", frage ich. "Der Lothar" antwortet Kay. Wir tuckern rüber. Lothar strahlt und löst einen Hecht vom Haken. Die Länge des Fisches wurmt ihn ein wenig: Gut einen Zentimeter mehr, und er wäre einen Meter lang! Während wir den Fisch noch bestaunen, rüttelt schon wieder ein Hecht an Lothars Rute, diesmal 90 Zentimeter.
Kay und ich brauchen vier Tage Anlauf, bis wir den ersten Großen fangen, zwischen 10 und 13 Pfund. Jeder Tag ist eine Entdeckungsreise: Wir steuern neue Inseln an, beangeln neue Buchten, und jede zweite ist voll mit Hechten. Einmal fangen wir bei einer Drift von nur 15 Minuten acht Hechte, alle beim Einholen dicht über Grund. Später versuchen wir unser Glück mit Wobbler. Ein 10-Pfünder belohnt uns.

 

Weiß-blaue Fänge
Keinem Köder bleibt das Bad im salzigen Wasser erspart. Doch Wobbler und Blinker bringen nicht viel, Spinner nur ein paar (schöne) Barsche. So bleiben wir beim Gummifisch. Zur Freude der Bayern, deren Landesflagge vor der Hütte weht, fängt die Farbe Weiß-Blau besonders gut.
Das gilt auch im Mai, wenn die Kapitalen kommen. Dann ist die Laichzeit vorbei, und die Hechte packt ein Fressrausch, angeheizt von den Herings-Schwärmen, die nun bis in die Buchten ziehen. So mancher Angler hat schon das Stahlvorfach gegen ein Heringspaternoster getauscht, um dem Hecht seine Beute abzujagen.
Dieses Spektakel werden wir auf Risö nicht mehr erleben; unsere Zeit ist abgelaufen. Hinter uns liegen sieben Tage, in denen wir uns um nichts kümmern mussten, nur ums Angeln; Tage, in denen schon beim Frühstück jeder Blick aufs Wasser fiel, jeder Atemzug nach Hecht und nach Freiheit roch; Tage in denen Lärm, Hektik und Alltag weit weg waren, zurückgelassen in einer anderen Welt namens Deutschland.
Auch jetzt würde Robinson grün vor Neid sein: Wir müssen nicht Jahre mit der Hoffnung verschwenden, ein Schiff möge uns entdecken und an Land bringen. Wir sagen nur Olle Bescheid. Der wirft den Motor an. Wieder schüttelt sich die schwedische Flagge im Fahrtwind, wieder pfeift uns salzige Luft um die Nase. Und ein weißer Klecks am fernen Ufer, das muss wohl unser Auto sein.

 

Information:

Die Häuser sind perfekt eingerichtet, von der Küche über die Schlafzimmer bis zum offenen Kamin. Mitbringen müssen Sie nur Lebensmittel und Bettzeug

Anreise:
Über Trelleborg/Malmö,
dann weiter die E4 oder E22 nach S.t Anna

Infos und Buchung:
Pit´s Angelreisen, Fasenenstr. 13, 84109 Wörth
Tel. 08702/8933 Fax: 08702/918472
Email: Pits.Angelreisen@t-online.de

Quelle: "Blinker" Europas größte Angelzeitschrift

 

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